Was ist philosophische Gesundheit?

20.10.2026

Was ist philosophische Gesundheit?

Buch steht im linken Vordergrund. Hintergrund zeigt Bäume in feinen, pinselstrichartigen Stil.

Eine neue Sicht des Lebens

Das Buch Philosophische Gesundheit. Eine praktische Einführung beschäftigt sich mit der Idee von philosophischer Gesundheit, die sich in sechs verbundenen Dimensionen:

🔸Leiblichkeit,

🔸Selbstsinn,

🔸Zugehörigkeitssinn,

🔸Sinn für das Mögliche,

🔸Sinn für Zweck und

🔸philosophischer Sinn

einen systemischen Rahmen für eudaimonisches Gedeihen schafft.

Der Autor Luis de Miranda bringt Erkenntnisse aus verschiedenen Weisheitstraditionen der Welt mit aktuellen Forschungen aus der Philosophie des Geistes und der Psychologie zusammen. Dabei zeigt er, dass wahrhaftiges menschliches Wohlergehen weit über das nur individuelle Optimieren hinausgeht und insbesondere der „Kompossibilität“ bedarf, also der dynamischen Harmonisierung von verschiedenen, nicht widersprüchlichen Arten, in der Welt zu sein.

Das Buch stellt die SMILE_PH-Methodik vor, die sowohl als Theorierahmen dient als auch in der Praxis angewendet werden kann. Sie hinterfragt bestehende therapeutische Paradigmen, indem sie das philosophische Reflektieren als verkörperte Praxis begreift, welche für die persönliche Integration und das planetare Gedeihen unerlässlich ist. Die Idee philosophischer Gesundheit betont den beständigen Prozess, die persönliche Entfaltung mit hochgeschätzten Werten in Einklang zu bringen, ohne dabei das kollektive Wohlergehen zu vernachlässigen. Sie bietet einen umfassenden und dennoch leicht zugänglichen Ansatz für das, was de Miranda als „eudynamisches Leben“ bezeichnet, das kreative Einlassen auf Möglichkeiten, die sowohl das Selbst als auch die Welt verändern.

Ein paar Fragen an den Übersetzer Christian B. Funke

Das Werk von de Miranda wurde vom Englischen ins Deutsche durch Christian B. Funke übersetzt. Herr Funke arbeitet selbst in seiner Dortmunder Praxis als philosophischer Berater nach der im Buch vorgestellten SMILE_PH-Methode. Er teilte seine Sicht mit unserem Verlag über Buch, Thematik und das Übersetzen in folgendem Interview mit:

Lieber Herr Funke, wann und auf welchem Weg sind Sie erstmals der SMILE_PH-Methode begegnet?

„Auf die Idee der philosophischen Gesundheit bin ich zum ersten Mal durch Luis de Mirandas Vorträge auf YouTube aufmerksam geworden. Das war während der Corona-Lockdowns. Ich suchte damals weltweit Kontakt zu anderen philosophischen Praktikern und war von Luis de Mirandas durchdachter und neuartiger Konzeption fasziniert. Das Motto des Thinktanks Philosophical Health International, „When Thinking is Healing“, hat mich persönlich berührt und meine Praxis als philosophischer Berater geprägt. Das Beratungskonzept der philosophischen Gesundheit geht davon aus, dass das Nachdenken über sich selbst als Person, mitsamt den selbstgewählten Lebenszwecken, integrierend wirkt: Je besser ich weiß, wer ich bin und wer ich sein möchte, desto leichter bringe ich meine Wünsche und Bedürfnisse, meine Worte und Taten in Einklang. Diese Kohärenz ist heilsam. Sie verbindet mich lebendig mit meiner Schaffenskraft und stärkt meine Resilienz.“

Was hat Sie persönlich an diesem Ansatz begeistert und dazu bewogen, das Buch von Luis de Miranda ins Deutsche zu übersetzen?

„Ich habe mich von Luis de Miranda in dieser Methode zertifizieren lassen und engagiere mich ehrenamtlich im Netzwerk Philosophical Health International, etwa als Ansprechpartner für die deutschsprachige Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb und wegen meiner guten Erfahrungen mit der SMILE_PH-Methode lag es nahe, de Mirandas praktisches Buch „Philosophical Health for All. A Practical Introduction“ (Bloomsbury 2024) zu übersetzen. Zum Thema gibt es außerdem den akademischen Sammelband „Philosophical Health. Thinking as a Way of Healing“ (Bloomsbury 2024). Eine Übersetzung davon habe ich nicht erwogen, weil er sich an Fachleute und Theoretiker richtet, die ihn ohnehin auf Englisch lesen können. Mit der Übersetzung möchte ich zum einen dazu beitragen, die philosophische Beratung als Profession bekannter zu machen. Zum anderen halte ich es für wichtig, das deutsche schulphilosophische Vokabular zu pflegen, indem wir es auch für Neues verwenden, das zuerst in anderen Sprachen formuliert wurde.“

Welche Herausforderungen brachte die Übersetzung mit sich? Gab es Begriffe oder Konzepte, die sich besonders schwer ins Deutsche übertragen ließen?

„Wer einen Beitrag zum eigenen Fach übersetzt, gewinnt dabei immer auch Selbstvergewisserung und Erkenntnis. Mir ist zum Beispiel klar geworden, dass sich das englische Wort „purpose“ im Sinne von Vorsatz und Lebenszweck kaum nahtlos übersetzen lässt. Das Buch spricht vom „sense of purpose“ und meint damit das Bewusstsein für einen eigenen Zweck, dem man sein Leben und Schaffen widmet. Auf Englisch lässt sich darüber viel leichter sprechen als auf Deutsch. Ich habe mich bemüht, Ausdrücke zu finden, die die damit verbundenen Gesichtspunkte deutlich machen: die persönliche Widmung, das Gefühl, berufen zu sein, oder den Sinn, den dieser Zweck dem alltäglichen Tun verleiht. Ein weiteres Beispiel für eine Übersetzungsschwierigkeit betrifft die Sinne. Das Buch unterscheidet sechs Sinne: den Körpersinn, den Sinn für das Selbst, den Sinn für Zugehörigkeit, den Sinn für das Mögliche, den Sinn für den Zweck und den philosophischen Sinn. Gemeint ist natürlich nicht das Sinnesorgan oder sein Wahrnehmungsvermögen. Einen Sinn für etwas zu haben bedeutet vielmehr, sich geistig auf etwas auszurichten oder einer Sache nachzugehen, so wie man einen Sinn für Gerechtigkeit, Ordnung oder Kunst haben kann. Das Buch spricht also von der Empfänglichkeit, vom Bewusstsein für den eigenen Leib, für die eigene Zugehörigkeit und für die übrigen Elemente philosophischer Gesundheit.“

Das Werk ist teil unserer Reihe Philosophie der Beratung, die ein Forum für philosophisch fundierten Beratungskonzepten bietet. Es werden verschiedene Ansätze einer Philosophie der Beratung vorgestellt und diskutiert.

Miranda stellt ernste philosophische Fragen – allgemeinverständlich, im Wechsel von Forschung und mythologisch-philosophischem Erzählen. Sein Buch spricht die Seele an, ohne auf dem Klischee-Niveau gewöhnlicher Ratgeberliteratur stehen zu bleiben.

Dr. Christian B. Funke , Übersetzer und philosophischer Berater