Ein Gespräch über das neue Rezensionsjournal KJIT – Kritisches Journal der Islamischen Theologie
Professor Ahmad Milad Karimi spricht mit unserem Verlag über das von ihm herausgegebene – im Oktober zu erscheinende – neue Rezensionsjournal KJIT. Das Journal widmet sich sämtlichen Fachdisziplinen der Islamischen Theologie – exegetischer, historischer, systematischer, sozialtheoretischer sowie religionspädagogischer Ausrichtung – in dezidiert kritischer Absicht. In dem Gespräch erfahren Sie unter anderem mehr über den Inhalt, die Entstehungsprozesse, die Zielgruppen und die Motivation hinter dem Journal:
Lieber Herr Professor Karimi, im Oktober 2026 wird das erste Heft einer neuen Zeitschrift starten! Sie rufen das Kritische Journal der Islamischen Theologie – kurz KJIT – ins Leben. Was verbirgt sich dahinter?
„Mit dem KJIT entsteht die erste deutschsprachige Rezensionszeitschrift für die deutschsprachige Islamische Theologie. Die Zeitschrift versteht sich als unabhängiges, instituts- und zentrumsübergreifendes und kritisches Organ für die Sichtung, Prüfung, Diskussion und Würdigung wissenschaftlicher Arbeiten aus der Islamischen Theologie. An deutschen, österreichischen und schweizerischen Universitäten hat die Islamische Theologie in den vergangenen Jahren eine beachtliche Entwicklung verzeichnet. Inzwischen sind mehr als 40 Professor:innen an den Instituten für Islamische Theologie tätig und in Münster entsteht ab Juli 2026 die erste Islamisch-Theologische Fakultät.
Mit dieser institutionellen Entwicklung geht eine wachsende wissenschaftliche Produktion einher. Es erscheinen Monografien, Qualifikationsschriften, Editionen, Sammelbände, Zeitschriften, Jahrbücher und Aufsätze. Einzelne dieser Arbeiten wurden bislang hin und wieder in verschiedenen Zeitschriften rezensiert. Was aber fehlte, war ein eigenes kritisches Organ, das diese Forschung kontinuierlich, fachlich und unabhängig begleitet.
Genau hier setzt das KJIT an. Eine akademische Disziplin misst sich nicht nur an ihrer institutionellen Verankerung, sondern auch an der Qualität ihrer Forschung und an der Fähigkeit, diese Forschung kritisch zu prüfen. Eine solche kritische Begleitung hätte von Anfang an zur Entwicklung der Islamischen Theologie gehören müssen. Nun schaffen wir dafür ein eigenes Publikationsorgan.“
Wie kamen Sie auf die Idee, eine Rezensionszeitschrift für Neuerscheinungen aus der Islamischen Theologie zu gründen?
„Die Idee ist aus der Beobachtung entstanden, dass die Islamische Theologie inzwischen eine beachtliche Forschungsdichte erreicht hat, diese Forschung aber noch nicht in einem eigenen rezensierenden Forum zusammengeführt wird. Wenn man ein Fach nachhaltig etablieren will, muss nicht nur lehren, forschen und publizieren, sondern auch Räume schaffen, in denen Forschung gesichtet, geprüft, diskutiert und kritisch eingeordnet wird.
Mir ist dabei besonders wichtig, dass das KJIT unabhängig arbeitet. Es soll kein bestimmter Standort, keine bestimmte Schule und kein bestimmter Kreis bevorzugt werden. Wir wollen Kolleg:innen aus allen Instituten, aus verschiedenen theologischen, philosophischen, historischen, sozialwissenschaftlichen und religionspädagogischen Zusammenhängen sowie auch internationale Stimmen einbeziehen. Das Fach braucht diese Breite. Nur so entsteht eine Rezensionskultur, die der Vielfalt und dem wissenschaftlichen Anspruch der Islamischen Theologie gerecht wird.“
Nach welchen Kriterien wählen Sie die zu rezensierenden Publikationen und die Autor:innen, die die Rezensionen verfassen, aus?
„Bei der Auswahl der Bücher geht es zunächst um die fachliche Relevanz. Das KJIT nimmt Publikationen in den Blick, die für die Islamische Theologie im weiten Sinn bedeutsam sind. Inzwischen haben wir über 700 Publikationen aufgelistet, die sich aus verschiedener Fachliteratur aus den Instituten für Islamische Theologie, seit deren Gründung im Jahr 2012, zusammensetzt. Unabhängig davon, ob Publikationen bereits rezensiert worden sind, und unabhängig vom Veröffentlichungsjahr möchte das KJIT jeder Publikation eine Rezension widmen.“
Was ist Ihnen bei der inhaltlichen Gestaltung der Zeitschrift besonders wichtig?
„Mir ist wichtig, dass das KJIT Kritik als eine Form wissenschaftlicher Verantwortung versteht. Kritik bedeutet hier nicht, ein Buch möglichst scharf zu beurteilen. Kritik heißt, scharfsinnig und präzise zu lesen, die Voraussetzungen einer Arbeit sichtbar zu machen, ihre methodische Leistung zu würdigen, ihre Argumentation zu prüfen und ihre Quellenlage einzuschätzen.
Inhaltlich soll die Zeitschrift die Breite der Islamischen Theologie abbilden. Das Fach zeichnet sich nicht aus einem einzigen wissenschaftlichen Zugang aus. Es umfasst insbesondere exegetische, historische, systematische, philosophische, mystische, ethische, rechtliche, praktische, soziale, religionspädagogische und philologische Perspektiven. Gerade diese Vielfalt verlangt ein kritisches Forum, das nicht bloß registriert, was erscheint, sondern die Forschungslandschaft strukturiert und lesbar macht.
Wichtig ist mir außerdem, dass das KJIT zur Qualitätssicherung des Faches beiträgt. Wo Forschung nicht kritisch begleitet wird, fehlt ein Teil akademischer Nachhaltigkeit. Das KJIT soll deshalb nicht neben der Forschung, sondern ihr gegenüberstehen: aufmerksam, unabhängig, sachlich und dem Fach verpflichtet.“
An welche Zielgruppe richtet sich das KJIT?
„Das KJIT richtet sich zunächst an Wissenschaftler:innen, die in der Islamischen Theologie und ihren Nachbardisziplinen arbeiten. Ebenso adressiert es Studierende, Promovierende und Lehrende, die in Erfahrung bringen möchten, welche vergangenen und aktuellen Publikationen für ihr Fach wichtig sind und wie sie in größere Debatten einzuordnen wären.
Darüber hinaus richtet es sich an alle, die sich wissenschaftlich mit Religion, Islam, Theologie, Philosophie, Bildung und Gesellschaft befassen. Dazu gehören auch Personen aus religiösen Gemeinschaften, der Bildungsarbeit und Öffentlichkeit. Die Islamische Theologie bleibt nicht im akademischen Binnenraum stehen. Sie berührt Fragen, die unsere Gesellschaft insgesamt betreffen: religiöse Sprache, Bildung, Tradition, Pluralität, Vernunft, Verantwortung und Zusammenleben.“
Wir freuen uns sehr, dass Sie sich für den Verlag Karl Alber entschieden haben. Was hat Sie überzeugt?
„Der Verlag Karl Alber steht für philosophische, theologische und geisteswissenschaftliche Ernsthaftigkeit und verantwortet bereits auch andere kritische Zeitschriften. Genau das war für mich entscheidend. Eine Rezensionszeitschrift wie das KJIT möchte in einem Verlag beheimatet sein, der den wissenschaftlichen Charakter eines solchen Projekts versteht und mitträgt. Es geht nicht um schnelle Sichtbarkeit, sondern um nachhaltige fachliche Qualität.
Mich hat überzeugt, dass der Verlag Karl Alber ein klares Profil kennzeichnet und zugleich die Offenheit für ein neues Publikationsorgan der Islamischen Theologie beherbergt. Die Zeitschrift gehört in einen Kontext, in dem Denken, Kritik und wissenschaftliche Sorgfalt geschätzt werden. Gerade weil das KJIT instituts- und zentrumsübergreifend, unabhängig und fachlich anspruchsvoll arbeiten will, braucht es einen Verlag, der dieser Aufgabe gewachsen ist und ihr den passenden Rahmen gibt.
Deshalb freue ich mich sehr, dass das KJIT im Verlag Karl Alber erscheinen wird. Es ist ein guter Ort für eine Zeitschrift, die die Islamische Theologie nicht nur begleiten, sondern auch in ihrer wissenschaftlichen Selbstverständigung stärken möchte.“
Das Journal startet mit der Sonderausgabe 1/2026. Im Abonnement für 2027 ist diese Ausgabe gratis enthalten.